Geschäftsideen – Kuchen backen

Geschäftsidee 1 – Kuchen backen

Alle sagen ich kann so toll backen, ich möchte Kuchen selber backen und verkaufen.

KäsekuchenDank zahlreicher EU Orientierungen ist das möglich, jedoch nur unter gewissen Auflagen.  Wer eine ausreichend große Küche hat, der darf darin auch für den gewerblichen Bereich kochen und backen. Besser wäre allerdings ein separater Raum den man zu einer zusätzlichen Küche umbauen kann. Ideal wäre eine alte Waschküche.  Für den privaten Bedarf und das eigene Gewerbe darf man nur in einer Küche hantieren, wenn man alles doppelt hat.

Die gewerbliche Küche muss gemäß EU Richtlinien hergerichtet werden. Dazu gehört ein Geschirrspüler, eine zweite Spüle, ein zweiter Herd, Arbeitstische und Schränke. Nichts darf vermischt werden. Es empfiehlt sich auch, die gewerbliche Küche zu fliesen, mit Fussbodenfliesen auszurüsten und einem Bodenablauf. Insgesamt sollte sie ab 8 qm groß sein, und wenigstens einen Dunstabzug haben, der in eine freie Esse geleitet werden kann. Der Abzug muss nicht über Dach geleitet werden. Wer braten möchte, der benötigt auch einen Fettabscheider. Ist das alles möglich, können Sie auch zu Hause gewerblich produzieren.

Meisterzwang

Auch wenn man zu Hause gewerblich produzieren darf, ist backen ein Handwerk und untersteht der Handwerkskammer. Man kann diesen Meisterzwang aber umgehen, in relativ engen Grenzen.  Wer über 47 Jahre alt ist, der kann sich einer Sachkundeprüfung im Bereich Kuchen unterziehen und bekommt eine Sondergenehmigung. Jüngere Frauen können sich ebenfalls einer Prüfung vor der Handwerkskammer stellen und eine Ausnahmegenehmigung vom Meisterzwang erwerben.

Ohne Meister, und sonstige Nachweise, darf man nur ein Reisegewerbe führen oder Aufträge kaufen. Wer ausschließlich nur für Firmen backt, der braucht auch das nicht. Hierzu gibt es Sonderregelungen.

Backen nach Hausfrauenart

In erster Linie heißt das, man hat dafür keinen Meister oder keinen Beruf. Es bedeutet nicht, man backt ohne Chemie. Um die am Markt üblichen Preise zu erzielen, arbeiten Konditoren nicht schlechter, sondern verwenden viel mehr Chemie als üblich, denn das Teuerste in einem Meisterbetrieb sind die Lohnkosten und Rohstoffe. Im privat-gewerblichen Bereich entfallen diese hohen Kosten und man kann wesentlich günstiger verkaufen auch ohne Chemie.  Vorausgesetzt man beherrscht die Praxis.

Wer privat Kuchen backen möchte und diese dann verkaufen, sollte sich für die schlechtere Qualität nicht damit entschuldigen, man sei ja kein gelernter Konditor. Nach Hausfrauenart heißt nicht pfuschen, sondern nur, dass man nicht den erforderlichen Ausbildungsgrad hat. Das entsprechende know how kann man aber erlernen und muss sich nun einmal den berufstechnischen Regeln unterwerfen.

Überlegen Sie sich also sehr gut, ob Sie nun backen wollen, nur weil es Ihnen solchen Spaß macht. Jeder Kuchenfan weiß was er erwartet, und er erwartet Konditorqualität, denn Sie erwarten ja auch eine entsprechende Bezahlung. Schlechte Backwaren sind nicht nach Hausfrauenart, sondern lassen mangelndes Interesse und Handwerk vermuten. Manche Hobbybäcker liefern eine adäquate Qualität oder tatsächlich so gutes Backwerk, dass selbst Konditoren anerkennend nicken.

Ausstattung der „Backstube“

  • 1 Backofen, möglichst nicht Umluft
  • 1 Herd oder eine Kochplatte für Füllungen
  • 1 Küchenmaschine oder
  • 1 Handrührgerät, Pürierstab
  • 1 Arbeitstisch mit Marmorplatte
  • 1 Unterschrank
  • 1 Hängeschrank
  • 1 Wirtschaftsschrank
  • 1 Doppelspüle
  • 1 Geschirrspüler
  • 1 Dunstabzugshaube
  • Wandfliesen, glatt
  • Fussbodenfliesen, nicht glatt
  • Silikon zum Versiegeln

Welche Formen und sonstigen Hilfsmittel Sie ansonsten brauchen, kann man nicht vorschreiben, denn verschiedene Sachen hat man im Haus. Was eine etwas größere Investition werden wird, sind die Verpackungsmittel, Tortenkartons und ähnliches.

Mülleimer, Wischeimer, Schüsseln, Hygieneausstattung usw. muss man wohl nicht hervorheben.

Mehl, Weizenpuder und weitere Zutaten, sollte man sich aus dem Bäckereigroßhandel und einer Mühle holen, denn dort ist es auf jeden Fall günstiger und von einer anderen Qulität als im Supermarkt. Außerdem ist die Auswahl größer. Mit einem Gewerbeschein wird man dort als Kunde gelistet. Hier bekommen Sie auch Einmal Backformen, die den Hausbackformen vorzuziehen sind, entsprechender Absatz vorausgesetzt.

Auch wenn man nach Hausfrauenart backt, benötigt man das entsprechende Handwerkszeug, über das man sich in Fachforen informieren kann. Hier erfährt man auch, wie man bestimmte Zutaten herstellen sollte. So Füllungen, Backmassen und Teige. Auch Bäcker wissen nicht alles. Fragen sollte man fachgerecht stellen und sich nicht als Laie outen.

Preiskalkulation

Bevor Sie verkaufen können, müssen Sie Ihre Deckungsbeiträge kalkulieren. Grundlage sind die Gemeinkosten, also Ihre betrieblichen Unterhaltskosten, und der Aufwand für Strom und Ihre Arbeitszeit. Wie derlei Kalkulationen aufgestellt werden, erkläre ich später.  Bäcker kalkulieren auf Kilobasis, nicht nach Stück. Man geht von 1 kg Mehl aus und rechnet dann die Preise runter.

Für die Ermittlung der Stromkosten muss man sich etwas Zeit nehmen und wirklich korrekt die Werte aufschreiben, denn sonst kann man den tatsächlichen Verbrauch nicht ermitteln. Pie mal Daumen geht nicht, denn das kann zulasten der Gewinnspanne gehen. Sämtliche Verpackungsmittel, die Arbeitszeit usw. müssen in den Preis einfließen.

Es soll Fälle geben, da denkt die Hausfrau, der Bäcker verkauft die Torte für 38,00 Euro, also nehme ich das auch. Ich gehe davon aus, dass Sie andere Kosten zu decken haben als der Konditor, beginnend bei den Stromkosten bis hin zu den Lohnkosten. Wer sich im Preis mit einem Konditor misst, muss auch die entsprechende Qualität liefern. Man sollte sich als Laie doch immer etwas unter dem Handwerkerpreis bewegen, denn Ihre Kosten sind geringer.  Welche Rohaufschläge Sie zu kalkulieren verpflichtet sind, regelt das Steuerrecht.  Ob Sie verpflichtet sind, Umsatzsteuer einzukalkulieren, bestimmt die steuerliche Anmeldung. Als Kleinstunternehmer bis 17.500,00 € Umsatz brauchen Sie keine Umsatzsteuer zu verlangen, dürfen aber auch die Vorsteuer nur als Betriebsausgaben geltend machen. Da Sie mit 7% und 19% operieren, würde ich mir das gut überlegen.

Wenn Sie einen Kuchenlieferdienst betreiben wollen und das als Catering betiteln, weil Sie noch belegte Brötchen und ähnliches ausliefern wollen, müssen Sie sich den Bestimmungen des Caterings unterwerfen. Caterer müssen mit 19% kalkulieren. Hier sollte man ebenfalls gut überlegen, wie man sein Gewerbe anmeldet. Manchmal ist es wirklich nur ein Wort.

Autor: Erdmann Giese, Beratender Betriebswirt

weiterführend: Preiskalkulation